Herzgeschichten

Ein Angebot aus Kuwait

3 Min.

Erschienen in HDZeit 10.2026, am 06.10.2026
20.10.2026
Kuwait City

Kuwait City mit Kuwait Towers

HDZ NRW, im Sommer 2023: Der erfahrene Anästhesist und Intensivmediziner Riad Al Khalil erhält ein außergewöhnliches Angebot. Gemeinsam mit fünf weiteren deutschen Spezialisten soll er in Kuwait-Stadt beim Aufbau eines hochmodernen Herzinsuffizienzzentrums helfen. Für den gebürtigen Syrer, der 1998 mit einem Stipendium nach Bad Oeynhausen kam, zunächst in der Anästhesie arbeitete und bald darauf fest zum Team der chirurgischen Intensivstation A 1.4 zählte, war das eine spannende Herausforderung – und zugleich ein Abenteuer in eine andere Arbeits- und Lebenswelt.

„Ich wollte noch einmal etwas Neues kennenlernen“, erinnert sich der 58-Jährige, der am HDZ NRW zahllose Patientinnen und Patienten durch schwierige Operationen und intensive Nachsorge begleitet hat. „Als junger Arzt kann man hier so vieles lernen“, berichtet Al Khalil. „Hier werden Patienten mit zum Teil sehr komplexen Erkrankungen rund um die Uhr überwacht, man sieht das gesamte Spektrum herzchirurgischer Eingriffe einschließlich Herztransplantationen, Einsatz von Lungenersatzsystemen, künstlicher Herzunterstützung und Kunstherzen – alles verbunden mit sehr aufwendiger, hochmoderner Medizintechnik.“

„Es gibt kein anderes Haus wie das HDZ“

Mit seinem Wissen und seiner Erfahrung aus einer der größten intensivmedizinischen Versorgungsbereiche der Herzchirurgie in Europa brachte Riad Al Khalil in Kuwait wertvolle Impulse ein – fachlich wie menschlich. „Wir wurden sehr freundlich und voller Wertschätzung empfangen.“ Dass er dort erstmals nicht mehr auf einer rein herzchirurgischen, sondern internistisch-chirurgischen Intensivstation arbeitete, das habe ihm sehr viel gebracht und seine Kenntnisse nochmals erweitert. „Weniger leicht war es, sich an eine ganz andere Arbeitsstruktur und an ein fremdes Gesundheitswesen zu gewöhnen.“  

Leben und Arbeiten am Persischen Golf

Zwischen 50 Grad Sommerhitze, neuer Umgebung und einem ungewohnten Arbeitsrhythmus merkte Riad Al Khalil bald, dass ihm etwas fehlte. „Ich habe Bad Oeynhausen vermisst“, gibt er offen zu. „Das Arbeiten im Team, das interdisziplinäre Miteinander auf Augenhöhe gerade bei sehr schwierigen Fällen – das ist schon etwas ganz Besonderes am HDZ NRW. Man wächst hier mit den Aufgaben und mit den Menschen.“  

Vor Ort hatte sich zudem die Perspektive auf eine langfristig neue Arbeitswelt in seinem Spezialgebiet, der Betreuung von schwer herzschwachen und mit künstlicher Herzunterstützung ausgestatteten Patienten, verändert.

„Was also habe ich da getan?“ überlegte er, noch bevor ein Jahr vergangen war. „Es war wirklich schön. Ein Appartement am Meer, die Familie kam zu Besuch.“ Riad Al Khalil blieb noch ein weiteres Jahr und erfüllte seinen Vertrag. Dann war das Heimweh doch zu groß. Ende 2025 kehrte er nach Bad Oeynhausen zurück – mit offenen Armen empfangen von seinen Kolleginnen und Kollegen im HDZ, die ihm nie wirklich Lebewohl gesagt hatten. „Ich habe wichtige Erfahrungen gemacht, für die ich sehr dankbar bin“, sagt er.

Eine Geschichte, die zeigt, dass man manchmal die Ferne braucht, um zu spüren, wo man wirklich zu Hause ist.

Riad Al Khalil  

Oberarzt Riad Al Khalil, 58 Jahre, lebt seit 1999 in Löhne bei Bad Oeynhausen. Der gebürtige Syrer arbeitete nach seinem Medizinstudium in Damaskus als Facharzt für Anästhesie und Intensivmedizin am dortigen Herzzentrum, bevor er als Stipendiat 1998 ans Herz- und Diabeteszentrum NRW, Bad Oeynhausen, kam. Seine deutsche Facharztprüfung mit Zusatzbezeichnung Intensivmedizin legte er 2001 ab. Von November 2023 bis Dezember 2025 war er als Oberarzt (Consultant) am Al-Amiri Hospital in Kuwait-City, Kuwait, tätig. 

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