Forschen gemeinsam an genetischen Ursachen des plötzlichen Herztods: Prof. Dr. Hendrik Milting und Dr. Jens Tiesmeier.
In den europäischen Reanimationsleitlinien hat die Genetik bisher eine untergeordnete Rolle gespielt. Das hat sich jetzt geändert. Der Rettungsmediziner Dr. Jens Tiesmeier und der Molekularbiologe Prof. Dr. Hendrik Milting haben dazu beigetragen.
Beide forschen seit vielen Jahren gemeinsam an genetischen Ursachen des plötzlichen Herztods. Ihre Erkenntnisse flossen in die Aktualisierung der Leitlinien der europäischen Fachgesellschaft für Reanimationsmedizin ein. Ein wichtiger Aspekt: Bei Verdacht auf plötzlichen Herztod dürfen Notärztinnen und Notärzte jetzt bei Verstorbenen unter 50 Jahren nach dem Todeseintritt noch eine Blutprobe entnehmen.
Genetische Risiken erkennen
„Damit erhöhen wir die Chance, später genetische Hinweise auf Herzrisiken zuverlässig nachweisen zu können“, erklärt Prof. Dr. Hendrik Milting, Leiter des Erich und Hanna Klessmann Instituts für kardiovaskuläre Forschung und Entwicklung am HDZ NRW.
Mit modernen Hochdurchsatz-Sequenzierungen lassen sich bestimmte Genvarianten identifizieren, die für Familienangehörige ein erhöhtes Risiko für Herzrhythmusstörungen bedeuten können. „Ein unerwarteter Todesfall in der Familie sollte immer ein Warnsignal sein“, ergänzt Dr. Jens Tiesmeier, Direktor des Instituts für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfall- und Rettungsmedizin am Krankenhaus Lübbecke. „Früherkennung, medikamentöse Behandlung oder ein implantierbarer Defibrillator können Leben retten.“