Wissen

Neues Katheterverfahren rettet Hochrisikopatientin

Den Kardiologen Prof. Dr. Volker Rudolph und Dr. Kai Peter Friedrichs und ihrem Team gelingt ein bahnbrechender Eingriff, mit dem sie einer schwer herzkranken, anderweitig nicht mehr therapierbaren Patientin eine neuartige Behandlungsalternative anbieten können. 

2 Min.

Erschienen in HDZeit 10.2026, am 06.10.2026
19.10.2026
Mitralklappenersatzverfahren

Höchste Konzentration im Herzkatheterlabor:  Prof. Dr. Volker Rudolph (r.) und Dr. Kai Peter Friedrichs (l.)  führten den anspruchsvollen Eingriff gemeinsam durch.

Die HDZ-Katheterspezialisten waren die ersten, die das komplexe und zugleich schonende Mitralklappenersatzverfahren in Ostwestfalen-Lippe durchführten. Es zählt aktuell zu den anspruchsvollsten Technologien der modernen Kardiologie.

Zehn Prozent aller Erwachsenen über 75 Jahre leiden unter einer erkrankten Mitralklappe, die als Ventil den Blutfluss vom linken Vorhof in die linke Herzkammer sicherstellt. Bei undichter Klappe (Mitralklappeninsuffizienz) fließt das Blut zurück in Vorhof und Lunge. Um den Körper mit ausreichend Blut zu versorgen, muss das Herz dann deutlich mehr leisten. Dauerhaft kann dies Herz, Kreislauf und andere Organe lebensbedrohlich schädigen.  

Keine andere Therapie war möglich

„Viele Patienten kommen aufgrund ihres Alters oder schwerer Begleiterkrankungen nicht für eine herzchirurgische Mitralklappenoperation in Frage – das Risiko wäre viel zu hoch,“ erläutert Prof. Dr. Volker Rudolph, Direktor der Klinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie und Angiologie am HDZ NRW. Vielen Patienten könne dann mit einem kathetergestützten Clipping-Verfahren geholfen werden, durch das die nicht komplett schließenden Segel der Mitralklappe quasi in der Mitte „zusammengeklippt“ werden, um den Blutrückfluss aus der linken Herzkammer in den linken Vorhof zu verhindern und somit den Blutauswurf nach vorne aus dem Herzen zu unterstützen.

„Allerdings mussten Patienten, die technisch für das Clipping nicht geeignet sind, bisher häufig ohne Therapie bleiben“, betont Rudolph. Mit dem jetzt eingesetzten System (SAPIEN M3) stehe nun eine vollständige Kunstklappe für die Mitralposition zur Verfügung, die mittels Herzkatheter eingesetzt werden kann. „Damit eröffnen sich neue Behandlungsmöglichkeiten, weil das Verfahren schonend ist und auch in Frage kommt, wenn ein Clipping nicht möglich ist.“  

Wichtig: Ein solches Verfahren sei nur erfahrenen Spezialisten vorbehalten und erfordere neben einer intensiven Vorbereitung der Herzkatheterexperten auch eine individuelle Kostenübernahmeerklärung durch die Krankenkasse.

Hightech am Herzen

Das innovative kathetergestützte Mitralklappenersatzsystem wird minimalinvasiv über die Leistenvene eingeführt und unter Röntgenkontrolle präzise platziert. Als zweiteiliges Docking System (Hersteller: Edwards), bestehend aus einem flexiblen Anker („Dock“) und einer biologischen Herzklappe, wurde es erst kürzlich für den europäischen Markt zugelassen und bisher nur an wenigen spezialisierten Zentren eingesetzt. Die Bad Oeynhausener Kardiologie am HDZ NRW ist bislang die einzige Einrichtung in Ostwestfalen, die das Verfahren anwendet.  

Das könnte Sie auch interessieren:

Nach oben