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Ein künstlicher Herzinfarkt als Therapie

Die Alkoholseptumablation dient Kardiologen seit mehr als 25 Jahren zur Behandlung einer bestimmten, meist angeborenen Form der Herzmuskelerkrankung. Dabei nutzen die Experten die toxische Wirkung von reinem Alkohol, um Herzgewebe gezielt zu veröden. Das Verfahren sollte nur von erfahrenen interventionellen Kardiologen im Herzkatheterlabor durchgeführt werden. Oberärztin PD Dr. Smita Scholtz beantwortet die wichtigsten Fragen.

2 Min.

02.01.2026
Privatdozentin Dr. Smita Scholtz ist Oberärztin in der Klinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie/Angiologie unter der Leitung von Prof. Dr. Volker Rudolph.

Privatdozentin Dr. Smita Scholtz ist Oberärztin in der Klinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie/Angiologie unter der Leitung von Prof. Dr. Volker Rudolph.

Für wen ist die Therapie geeignet?
„Betroffene leiden unter einer sogenannten hypertrophen obstruktiven Kardiomyopathie (HOCM). Das ist eine genetisch bedingte Erkrankung des Herzmuskels, die zu einer Verdickung der linken Herzkammerwand führt und zugleich die Ausflussbahn des Blutes verengt. Das Herz muss dann stärker als sonst arbeiten, um das Blut durch die Engstelle zu drücken. Die Symptome äußern sich mit Atemnot, Brustschmerzen oder Ohnmachtsanfällen.“

Wie viele Patienten wurden bisher mit dieser Methode behandelt? 
„Allein im Zeitraum 2005 bis 2024 haben wir mehr als 600 Patienten erfolgreich therapiert.“

Welche anderen Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
„Die medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten mit Betablockern, Kalziumantagonisten und sogenannten direkten Myosininhibitoren, welche die Herzmuskelkontraktion herabsetzen, sind im Laufe der Jahre immer besser geworden. Bei andauernden Beschwerden und Druckunterschied oberhalb von 50 mmHG in der linken Herzkammer sollte der verdickte Herzmuskel jedoch entweder operativ oder mittels Alkoholseptumablation reduziert werden.“

Wie funktioniert die Verödung mit Alkohol?
„Wir injizieren etwa 2 Milliliter reinen Alkohol (Ethanol, 95 Prozent) in eine unter Koronarangiographie erkennbare Herzkranzarterie, die den verengenden Muskelwulst der linken Herzkammer versorgt. Ein potentielles Risiko bei diesem Eingriff ist das Auftreten von Reizleitungsstörungen und damit die Notwendigkeit einer Herzschrittmacherimplantation. Unsere Ergebnisse in Bad Oeynhausen zeigen, dass durch diese Therapieform eine langfristige Entlastung der linken Herzkammer mit deutlicher Symptomverbesserung erreicht werden kann.“

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