Zufriedener Patient, zufriedene Ärzte: (v.l.) Prof. Dr. Philipp Sommer, PD Dr. Sabina Günther, Patient Wolfgang Diekmann, Prof. Dr. Jan Gummert.
Der 70-Jährige Wolfgang Diekmann stellt sich aufgrund wiederholt auftretende Vorhofflimmer-Episoden und Erschöpfungszustände bei Prof. Dr. Philipp Sommer in der Klinik für Elektrophysiologie/ Rhythmologie am HDZ NRW vor. Seine Klinik zählt in Deutschland mit rund 2.000 Ablationen jährlich zu den Einrichtungen mit besonders hoher Behandlungsqualität und Erfahrung.
Rund eine Million Menschen sind von Vorhofflimmern betroffen, vor allem ältere Patienten. Unbehandelt kann diese Rhythmusstörung zu Luftnot, eingeschränkter Leistungsfähigkeit und sogar zu chronischer Herzschwäche führen. Zudem ist das Risiko für Schlaganfälle deutlich erhöht.
Zugang für den Herzkatheter
Das Problem: Bei Wolfgang Diekmann kam eine übliche Therapie, eine Herzkatheterablation, bei der die elektrischen Erregungsherde im Herzgewebe mit Strom oder Kälte verödet werden, aufgrund einer früheren Tumorerkrankung nicht in Frage. Deshalb empfahl das Team der behandelnden Spezialisten eine neue minimalinvasive endoskopische Ablation, die am HDZ NRW von der Herzchirurgin und Privatdozentin Dr. Sabina Günther durchgeführt wird. Sie ist Oberärztin in der Klinik für Thorax- und Kardiovaskularchirurgie unter der Leitung von Prof. Dr. Jan Gummert.
„Den Zugang schaffen wir uns mit nur einen Zentimeter kleinen Schnitten – jeweils drei auf der linken und rechten Seite des Brustkorbs“, erläutert Sabina Günther. Die Verödung erfolgt anschließend über die auf diesem Weg zum Herzen vorgeführten Ablationsinstrumente. Der innovative Eingriff dauert in der Regel etwa zwei Stunden und erfolgt unter Vollnarkose. Er wird ausschließlich in spezialisierten Zentren durchgeführt und macht weniger als fünf Prozent aller Ablationen aus. „Endoskopische Ablationen sind immer dann eine Behandlungsoption, wenn ein kardiologischer Herzkathetereingriff wie bei Wolfgang Diekmann nicht möglich ist oder andere Therapien nicht ausreichend erfolgreich waren“, erläutert Günther.
Risikofaktor Herzohr
Während der endoskopischen Ablation wird außerdem das linke Vorhofohr am Herzen mit einem Clip verschlossen. Den Grund erläutert Sabina Günther: „80 bis 90 Prozent aller durch Blutgerinnsel verursachten Schlaganfälle haben ihren Ursprung im Herzohr. Durch diesen einfachen zusätzlichen Eingriff können wir das Schlaganfallrisiko nicht nur massiv senken, sondern teilweise den Patienten auch dauerhaft blutverdünnende Medikamente ersparen.“ Auch bei Patienten mit langanhaltendem Vorhofflimmern gelinge es mit dieser Technik in einem großen Teil der Fälle, einen stabilen Sinusrhythmus herzustellen, betont Günther.
Neun Monate nach dem Verfahren zieht Wolfgang Diekmann eine klare Bilanz: „Ich würde die endoskopische Ablation wieder durchführen lassen.“ Seine Lebensqualität habe sich spürbar verbessert.