Wissen

Pflegekompetenz für chronisch Kranke

Eine chronische Erkrankung wie Diabetes mellitus erfordert besonderes fachliches  Wissen und Können zu den Aufgaben der Pflege. Am besten werden die unterschiedlichen Kompetenzen im Team gebündelt. Wie hier auf der Pflegestation der Klinik für Diabetologie und Endokrinologie am HDZ NRW.

4 Min.

05.03.2026
Pflegeteam auf der Diabetesstation

Professionelles Tandem für Menschen mit Diabetes: Franziska Dierkes (l.) und Sina Vogt arbeiten im HDZ NRW.

Icon Diabetesberater

Das Pflegeteam auf den Stationen B 2.1 und B 1.1 im HDZ NRW hält zusammen. Auf ihre Kolleginnen und Kollegen lassen Franziska Dierkes (32) und Sina Vogt (25) nichts kommen. „Vom ersten Tag an wurde ich hier freundlich aufgenommen, mein Team hat mich sehr gut eingearbeitet. Der gegenseitige Respekt ist groß, wobei hier tatsächlich unterschiedlichste Aufgaben und Pflegeschwerpunkte gemeinsam werden“, so beschreibt Franziska Dierkes ihren Start am HDZ NRW, als sie von Göttingen nach Bad Oeynhausen zog und ein berufsbegleitendes Masterstudium „Advanced Nursing Practice“ in Bielefeld begann, das sie als Pflegeexpertin M.Sc. erfolgreich abschloss. Das ist jetzt drei Jahre her. Der Teamgeist ist geblieben.

Vom Angebot zum Plan

Als gelernte Gesundheits- und Krankenpflegerin mit Berufserfahrung in der Geriatrie hatte Franziska Dierkes berufsbegleitend bereits ein Bachelorstudium mit Schwerpunkt Pflegemanagement absolviert, bevor es sie nach Bad Oeynhausen zog. „Ich erinnere mich noch an die damalige Stellenausschreibung des HDZ, in der die berufliche Perspektive unmissverständlich formuliert war als Krankenversorgung in der Diabetologie mit einem akademischen Weiterbildungspfad und entsprechender Freistellung für das Studium an der Fachhochschule, das in Bielefeld als Pilotprojekt mit damals nur 16 Studierenden startete. Diese Kombination hat mich sofort angesprochen.“

Ihre Kollegin Sina Vogt befindet sich derzeit noch in einer berufsbegleitenden Weiterbildung zur Diabetesberaterin DDG. Mit ihr wird Franziska Dierkes demnächst nach dem Tandem-Prinzip sehr eng zusammenarbeiten. Während Franziska Dierkes auf der Station die pflegerischen Prozesse im Auge behält und beurteilt, konzentriert sich ihre jüngere Kollegin Sina Vogt auf wichtige Patienten-Schulungen und damit verbundene Fragen zur Krankheitsbewältigung:  

„Auf die zukünftige Zusammenarbeit und den fachlichen Austausch freue ich mich sehr. Ich weiss, dass wir beide im Tandem gut voneinander lernen und gemeinsam für unsere Aufgabenbereiche neue Impulse setzen können.“  

Sina Vogts Weiterbildungsprogramm umfasst mehr als 520 Stunden Theorie und 560 Stunden in der pflegerischen Praxis. Sie dauert neun bis zwölf Monate. Ihre Pflegeausbildung hat Sina Vogt vor zwei Jahren gleichzeitig mit einem ausbildungsintegrierten Bachelorstudiengang abgeschlossen und eine Fortbildung zur Praxisanleiterin angehängt. „Aber das hat mir nicht ausgereicht. Ich wollte noch mehr für meine Patientinnen und Patienten tun und meine fachliche Expertise bestmöglich erweitern.“  

Eine chronische Erkrankung wie Diabetes mellitus erfordert besonderes Wissen über die Erkrankung, Art und Umfang von Unterstützungsmaßnahmen und unterschiedlichste Möglichkeiten individueller Anpassungen. Hier sah Sina Vogt einen Schwerpunkt ihrer zukünftigen Aufgaben. Für ihre Qualifizierungsmaßnahme zur Diabetesberaterin fand sie bei ihrem Arbeitgeber volle Unterstützung. Die verschiedenen theoretischen Lernmodule finden in wöchentlichen Präsenz- oder Online-Veranstaltungen ihrer Weiterbildungsstätte in Rheine statt. „In der Diabetesberatung rückt der Schulungsbedarf für ein Selbstmanagement im Umgang mit der eigenen Erkrankung in den Vordergrund. Es geht unter anderem um Informationsvermittlung und Anleitung zur Stoffwechsellage sowie zur angemessenen Ernährung. Neben Kenntnissen zum diabetologischen Versorgungsprozess und medizinisch-diabetologischen Grundlagen sind hier auch pädagogische Fähigkeiten gefragt. Das ist genau das Richtige für mich.“

Einen anderen Fachbereich können sich die Pflegemanagerin – die korrekte Fachbezeichnung lautet „Advanced Practice Nurse“ -  und die angehende Diabetesberaterin nicht für ihren Beruf vorstellen. Ebenso wenig käme jedoch eine Tätigkeit in Frage, die ganz im Alleingang erledigt wird. „Die besten Möglichkeiten für die Pflege lassen sich nur im gegenseitigen Erfahrungsaustausch und einer gemeinsamen, im Team abgestimmten Rollenverteilung entwickeln. Erst unterschiedliche Betrachtungsweisen und Qualifikationen machen unsere Arbeit so effizient. Unsere Patientinnen und Patienten wissen das zu schätzen.“

Icon Masterstudiengang

Advanced Nursing Practise (ANP)

Im Studiengang der „Advanced Nursing Practice“ verbinden sich erweiterte pflegerische Handlungskompetenzen mit spezialisiertem Expertenwissen. Im Masterstudiengang werden organisationsspezifische Inhalte und Handlungskompetenzen in Verbindung mit wissenschaftlich-methodischen Kompetenzen vermittelt.

Pflegestudium.de

Diabetesberatung DDG

Diabetesberater und Diabetesberaterinnen DDG werden vorwiegend in diabetologisch spezialisierten, ambulanten oder stationären Einrichtungen eingesetzt und sind hier unverzichtbarer Teil des Diabetes-Teams. Sie begleiten die Betroffenen in ihrem Krankheitsverlauf über lange Zeiträume. Die Weiterbildungszeit beträgt etwa 1 Jahr und ist in der Regel in Präsenz- und Praxisphasen gegliedert.  

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